Mutsy evo Packmaß ohne Räder

Was gilt es bei der Auswahl des Kinderwagens zu beachten? Die wichtigsten Kriterien im Überblick

Bei der Auswahl eines Kinderwagens gibt es einige Punkte, die werdende Eltern beachten sollten. Neben diesen wichtigen Kriterien bei der Auswahl gibt es aber auch noch ein paar weitere Aspekte, die für den täglichen Umgang mit dem Kinderwagen nützlich sein könnten. Nicht zuletzt sollte man dann auch noch Produkttests zu Rate ziehen, um zum Beispiel auf Schadstoffe in bestimmten Bauteilen des Kinderwagens aufmerksam gemacht zu werden.

Für einen neuen Kinderwagen zahlen werdende Eltern heutzutage mit Zubehör meist 800 Euro oder mehr. Da erwartet man von der neuen Luxuskutsche für den Nachwuchs allerdings auch einiges. Sicherheit für das Baby und Komfort für Baby und Eltern sind hier die wichtigsten Punkte. So sollten Kinder in den Sportwagensitzen immer angeschnallt werden. Daher sollten beim Kauf des Kinderwagens unbedingt die Gurte und Verschlüssen auf korrekte Funktionalität prüfen. Dies gilt besonders, wenn man sich einen gebrauchten Kinderwagen zulegt – gab es in der Vergangenheit einen Unfall mit dem Kinderwagen, sind Brüche oder Schwachstellen bekannt? Neben den Gurten und Verschlüssen muss beim Kauf, egal ob neu oder gebraucht, auch unbedingt auf die Bremse und die Verriegelungen zwischen Fahrgestell und Aufsatz (Korb oder Sportsitz) geprüft werden. Schließlich möchte niemand beim Schieben des Kinderwagens erleben, dass der Korb samt Kind vom Fahrgestell fällt oder sich im geparkten Zustand die Bremse löst und sich Kind und Kinderwagen verselbstständigen. Vorsicht ist auch bei dreirädrigen Modellen geboten, da diese leicht aufgrund des Vorderrads an Kanten wegknicken und zu einem Umkippen des gesamten Kinderwagens führen können. Auch bei einer einseitigen Belastung des Kinderwagens, zum Beispiel durch eine schwere Tasche am Lenker kann es zum Umkippen kommen.

Unabhängige Kinderwagentests

In unabhängigen Produkttests wie bei der Stiftung Warentest werden immer wieder die aktuellen Kinderwagenmodelle auf den Einsatz von Schadstoffen in den verarbeiteten Materialien getestet. In den letzten Jahren wurde in diesen Tests immer wieder nachgewiesen, dass in den Bezügen der Kinderwagen mancher Hersteller poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe (PAK) enthalten sind, wie zum Beispiel Naphtalin. Diese PAKs stehen, ebenso wie die in manchen Handgriffen nachgewiesenen Chlorparaffinen im Verdacht, krebserregend zu sein. Den kompletten Testbericht findet ihr in der Stiftung Warentest Ausgabe 2/2015.

Verbindungsstück der Wickeltasche aus Metall
Das Verbindungsstück der Wickeltasche zum Gurt besteht aus Metall.

Neben diesen ersten beiden Aspekten bei der Auswahl eines Kinderwagens gibt es aber noch viele weitere mehr oder weniger wichtige Punkte, die einem bei der Auswahl helfen können:

Stabilität/Material

Heutzutage sind die meisten Kinderwagengestelle aus Aluminium, was das Gestell den Umständen entsprechend leicht erscheinen lässt. Die „Gelenke“ des Gestells sind zumeist aus Plastik, weshalb es hier am ehesten zu Schwachstellen und Brüchen kommen kann. Eine saubere und stabile Verarbeitung ist auch die Grundlage für einen angenehmen und ruhigen Schiebekomfort. Niemand möchte einen Kinderwagen schieben, der laut klappert oder instabil wirkt. Günstigere Modelle setzen mehr Plastikelemente im Gestellaufbau ein und wirken daher meist wackeliger und weniger solide. Gerade bei häufigem Zusammen- und Auseinanderklappen des Kinderwagens kommt einem die solide Verarbeitung zugute. Es macht einen riesigen Unterschied, ob der Kinderwagen sich nur mit Biegen und Gewalt in die gewünschte Form bringen lässt, oder ob der Kinderwagen nach Betätigung eines oder zweier Hebel quasi von selbst die kompakte Form einnimmt. Wir haben für unsere Auswahl einen klassischen Kinderwagen ausgeschlossen. Trotzdem sollte das Modell möglichst solide und nicht klapperig sein.

Gewicht

Vom verwendeten Material kommt man schnell zum Gewicht des Kinderwagens. Dieser sollte natürlich möglichst leicht sein, was teilweise allerdings im Widerspruch zu der soliden Bauweise steht. Hier ist ein guter Kompromiss zu wählen und die Auswahl den Lebensbedingungen anzupassen, sprich, wenn ich weiß, dass der Kinderwagen ohne Fahrstuhl jeden Tag aus dem dritten Stock in das Erdgeschoss und zurück gehoben werden muss, sollte ich unbedingt ein leichtes Modell wählen. Kommt es mir eher auf sehr stabile Materialien (Stahlgestell, Holzboden, etc.) oder einen klassischen Stil des Kinderwagens an, so muss ich meist höhere Gewichte in Kauf nehmen. In unserem Fall muss der Kinderwagen aus dem Keller in das EG transportiert werden, da wir im EG keinen Stellplatz für den Wagen haben. Das Gewicht spielt also schon eine Rolle bei unserer Auswahl.

Packmaß & Transport

Stabilität, Gewicht und Packmaß stehen in einem engen Zusammenhang zueinander. Sehr stabile Kinderwagen lassen sich meist nicht besonders kompakt zusammenklappen. Dies ist aber gerade dann sinnvoll und wichtig, wenn man den Kinderwagen in einem recht kleinen Auto transportieren muss. Viele junge Eltern gönnen sich mit der Geburt des ersten Kindes ein größeres Auto. Wenn dies aus finanziellen oder anderen Gründen nicht realisierbar ist, spielt das Packmaß des Kinderwagens eine sehr große Rolle. Dies ist übrigens bei uns der Fall: Als PKW steht uns ein VW Polo zur Verfügung, welcher aufgrund eines Gastanks im Kofferraum nochmal weniger Platz zur Verfügung hat. Ein größerer PKW ist derzeit nicht drin. Ein sehr geringes Packmaß hat für unseren Kinderwagen also höchste Priorität.

Mutsy Packmaß Zusammengefaltet

Steuerung

Unter diesem Aspekt versammelt sich für uns alles, was mit den funktionellen Elementen am Kinderwagen zusammenhängt. Dazu zählen:

  • die Leichtgängigkeit der Bremse: die Fußbremse an der Hinderachse sollte leicht zu betätigen sein und den Kinderwagen absolut fixieren. Manche Modelle kommen zusätzlich mit einer Handbremse am Schiebegriff;
  • die Höhenverstellbarkeit des Schiebegriffs: hier gibt es grundsätzlich zwei weit verbreitete Ansätze. Entweder ist der Schiebegriff aus der schräg verlaufenden Gestellstange ausziehbar, oder zwischen der Gestellstange zum Griff und dem Griff selber ist ein Gelenk, sodass der Griff kippbar ist. Gerade bei einem gewissen Größenunterschied zwischen den beiden Elternteilen ist dieser Aspekt sehr wichtig, damit sich einer der beiden nicht beim Schieben komplett verrenken muss.
  • die Sperrbarkeit der Vorderräder: Bei vielen Kinderwagenmodellen sind die Vorderräder feststellbar. Die Eltern können also, je nach Untergrund, die Vorderräder fixieren (gerade bei unebenem Untergrund besser) oder frei rotieren lassen (erleichtert das Lenken in Geschäften).

Lieferbarkeit/Lieferzeit

Dieser Aspekt kann je nachdem, in welcher Phase der Schwangerschaft man sich mit dem Kinderwagenthema beschäftigt, sehr kritisch sein. Sofern man nicht einen sowieso verfügbaren Kinderwagen (im Laden oder über Bekannte) zu kaufen plant, gilt es, das Wunschmodell frühzeitig zu bestellen. Im Babyfachgeschäft erfuhren wir, dass verschiedene Modelle bis zu drei Monaten Lieferzeit haben. Dies hat häufig aber auch damit zu tun, dass diese individuell konfiguriert werden können und damit beim Händler nicht in genau der Ausführung direkt verfügbar sind, sondern erst noch zusammengestellt werden müssen. Wer beim Kinderwagenkauf auf Nummer Sicher gehen will, sollte also am besten drei bis vier Monate vor der geplanten Geburt bestellen (manche Kinder kommen ja auch früher als geplant).

Flexibilität der Aufsätze (Korb/Tragetasche, Sportsitz, Autobabyschale)

Sofern ihr wie wir mit dem Gedanken spielt, einen Kombi-Kinderwagen zu erwerben, gibt es hier noch ein paar Aspekte, die zu beachten sind:

  • Zwar wechselt man die Aufsätze untereinander nur sehr selten aus, allerdings wird zum Transport im PKW meist der Aufsatz vom Gestell abgenommen (besonders, wenn der Kofferraum sehr klein ist). Hier ist darauf zu achten, dass sich die Aufsätze leicht abnehmen und auch wieder arretieren lassen.
  • Die Tragetasche sollte eine Liegefläche von 35 cm in der Breite und 78 cm in der Länge bieten. So ist gewährleistet, dass die meisten Babys auch mit sieben und mehr Lebensmonaten noch ausreichend Platz in der Tragetasche finden.
  • Sobald der Nachwuchs allein sitzen bzw. sich von selber aufsetzen kann, kommt der Sportsitz zum Einsatz. Dieser lässt sich bei vielen Modellen komplett flachlegen, sodass auch größere Kinder hierin noch entspannt liegen können.
  • Der Sportsitz kann grob gesagt bis zum dritten Lebensjahr des Kindes verwendet werden. Danach wird die Sitzeinheit für viele Kinder zu klein. In den ersten drei Lebensjahren sollte der Kinderwagen daher möglichst gut mit dem Kind „mitwachsen“. Das bedeutet, dass es sinnvoll ist, wenn sowohl die Anschnallgurte längen- und höhenverstellbar sind. Perspektivisch sollte man darauf achten, dass die Rückenlehne nicht zu kurz ist (>0,5m), um Spielraum zu haben. Aber auch die Fußstützen sollten in der Höhe verstellbar sein, damit das Kind genug Beinfreiheit hat.
  • Für viele Kinderwagen gibt es mittlerweile sogar Adapter, damit die Autobabyschale, zum Beispiel ein Maxi-Cosi Pepple, auf das Kinderwagengestellt gesteckt werden kann. Dies kann unter anderem dann praktisch sein, wenn der Nachwuchs mal eingeschlafen ist und man ihn durch das Umbetten nicht aufwecken will. Allerdings ist zu bedenken, dass Babys nur solange wie absolut erforderlich in der Babyschale liegen sollten, da es durch zu langes Liegen in der Babyschale zu Hüftfehlbildungen kommen kann.Kinderwagen Aufsätze Flexibilität

Räder & Federung

Bei Kinderwagen kommen entweder Gummireifen, also massive Reifen, oder aber Luftreifen wie beim Fahrrad zum Einsatz. Häufig sind standardmäßig Gummireifen im Gesamtpaket enthalten. Luftreifen sind optional als Zubehör für Vorn und Hinten verfügbar. Im Gegensatz zu den massiven Gummirädern bieten Luftreifen eine bessere Federung. Luftreifen bringen auch die Gefahr mit sich, dass man wie beim Fahrrad manchmal einen Platten hat. Da mittlerweile bei allen Kinderwagen die Hinterachse per se gefedert ist – teilweise verfügen auch die Vorderräder bei manchen Modellen über eine individuelle Federung – stellt sich die Frage, ob eine zusätzliche Federung durch Luftreifen erforderlich ist. Hier empfiehlt sich unbedingt ein Test im Geschäft. Übrigens lassen sich alle Räder zumeist mit nur einem Handgriff an- bzw. abmontieren. Dies kann erhebliche Einsparungen beim Packmaß mit sich bringen.

Kinderwagen Gummireifen

Zubehör

Für die meisten Zubehörteile gilt: Nice to have! Bei der Polsterung kann statt einer Plastikeinlage aus Polyester oder Watte besser Wolle verwendet werden. Ebenso bei den Bezügen und Griffen, welche statt aus Plastik und synthetischen Materialien lieber aus natütlichen Stoffen bestehen sollten. Die Griffe können zum Beispiel aus Leder oder Korb bestehen.

Fazit

Welche der hier genannten Aspekte für euch in der Auswahl eines Kinderwagens wie wichtig sind, bleibt euch überlassen. Extrem wichtig ist aus eigener Erfahrung allerdings, mit dem Kauf nichts zu überstürzen. Werdende Eltern sollten sich bei der Auswahl die nötige Zeit lassen und herausfinden, welches Modell den eigenen Vorstellungen am nächsten kommt, wie gut der Kinderwagen sich handhaben lässt und ob der Kinderwagen in den PKW passt.